Pädagogik

Das Fach Erziehungswissenschaft soll die Schülerinnen und Schüler zu einer reflektierten pädagogischen Kompetenz befähigen.

Gegenstand des Fachunterrichts sind Erziehungs- und Bildungsprozesse, welche für jeden Menschen und jede Gesellschaft grundlegend sind. Ziel von Erziehung und Bildung ist es, den Menschen bei seiner Entwicklung zur Mündigkeit zu unterstützen, welche ihn dazu befähigt, sein Leben individuell zu gestalten und an sozialen und kulturellen Prozessen aktiv teilzunehmen. Gerade die Beschäftigung mit erziehungswissenschaftlichen Themen kann die Fähigkeit zur Selbstreflexion fördern und somit zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler beitragen.

Das Fach Erziehungswissenschaft vermittelt Einsicht in die Erziehungswirklichkeit sowie die darauf bezogenen wissenschaftlichen Theorien, welche aus unterschiedlichen Disziplinen (z.B. Psychologie, Soziologie, Biologie) stammen. Diese VerknĂĽpfung zwischen Theorie und Praxis ist ein wesentlicher Bestandteil des Fachunterrichts.

Konkret bedeutet dies, dass das Fach z.B. bei Fallbeispielen oder der eigenen Biografie ansetzt, die entscheidend von positiven und manchmal auch negativen sozialen Erfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen (Familie, Schule, Freunde etc.) geprägt ist. Es geht im Unterricht somit auch darum, zu verstehen, inwiefern diese Erfahrungen das eigene alltägliche Verhalten und die eigene Lebenseinstellung prägen. Dazu ist es jedoch wichtig, dass der Bezug zu wissenschaftlichen Theorien im Vordergrund steht, mit deren Hilfe sich die Praxisbezüge analysieren, beurteilen und kritisch reflektieren lassen. Dies soll die Schülerinnen und Schüler zu einer pädagogischen Urteils- und Handlungskompetenz befähigen.

Ein zusätzlicher Bestandteil des Unterrichts stellt der Einblick in die pädagogische Praxis dar. Ein gutes Beispiel dafür ist z.B. der Besuch einer Montessori-Schule, die Unterricht ganz anders gestaltet als die staatlichen Regelschulen. Die Einblicke in die Gestaltung der Unterrichtspraxis mit dem Montessori-Lernmaterial werden hier mit einer wissenschaftlichen Erkundung der Montessori-Pädagogik insgesamt verknüpft.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der zwei EinfĂĽhrungshalbjahre und der vier Qualifikationshalbjahre

EinfĂĽhrungsphase – EF

  • • „Wissen, wovon man spricht“ – Erziehung  und Bildung im Verhältnis zur  Sozialisation und Enkulturation
  • • „Der Mensch wird zum Menschen nur durch Erziehung“ –  ErziehungsbedĂĽrftigkeit und Erziehungsfähigkeit
  • • Erziehungsverhalten und Legitimation von Erziehungspraktiken –  Erziehungsstile
  • • Erziehungsziele im historischen und kulturellen Kontext
  • • Lerntheorien: behavioristische und die sozial-kognitive
  • • Beeinflussung von Lernprozessen und Selbststeuerung des Lernens  (Neurobiologie und Konstruktivismus)

Qualifikationsphase – Q1

  • • Pädagogisches Denken und Handeln auf der Grundlage der Modelle psychosexueller und  psychosozialer Entwicklung von Freud und Erikson
  • • Pädagogisches Denken und Handeln auf Grundlage des Modells der kognitiven Entwicklung von Piaget
  • • Moralische Entwicklung am Beispiel des Just-Community-Konzeptes im Anschluss an Lawrence Kohlberg
  • • Sozialisation als Rollenlernen (Symbolischer Interaktionismus nach George Herbert Mead und Lothar Krappmann)
  • • Bedeutung des Spiels nach George Herbert Mead und Gerd E. Schäfer (nur LK)
  • • Entwicklungsaufgaben des Jugendalters und die Interdependenz von Streben nach Autonomie und sozialer Verantwortlichkeit im Modell der produktiven Realitätsverarbeitung nach Klaus Hurrelmann
  • • Erziehung durch Medien und Medienerziehung
  • • Unzureichende Identitätsentwicklung am Beispiel von deviantem Verhalten und der Gefahr von Identitätsdiffusion auch in sozialen Netzwerken (Web 2.0; Web 3.0)

Qualifikationsphase – Q2

  • • Möglichkeiten und Grenzen persönlicher Lebensgestaltung mit Blick auf Bildung und Beruf (nur LK)
  • • Erziehung in verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Kontexten: Erziehungsziele und -praxis in beiden deutschen Staaten von 1949-1989
  • • Montessoripädagogik als ein reformpädagogisches Konzept
  • • Interkulturelle Erziehung und Bildung nach Wolfgang Nieke
  • • Institutionalisierung von Erziehung: Einbindung in Institutionen am Beispiel von Vorschuleinrichtungen und Funktionen von Schule nach Helmut Fend
  • • Vielfalt und Wandelbarkeit pädagogischer Berufsfelder